Intelligente und aufgeklärte Männer lebten in Trjavna, die enorm zum kulturellen und wirtschaftlichen Fortschritt der Siedlung beitrugen. Das Land war sowohl knapp als auch karg. Dies bewirkte hauptsächlich die rapide Entwicklung der Handwerke. Traditionelle Handwerke wie das Gold- und Kupferschmieden, Verarbeitung von Rohseide und Seidenraupenzucht, Flechten, Weben von Decken und Teppichen aus Schafwolle, die Herstellung von Wagen, Packsatteln und nicht zuletzt Rosenöl befriedigte die Grundbedürfnisse der Einwohner. Eine beträchtliche Menge der hergestellten Waren erreichten Istanbul, Beirut, Edirne, Moskau, Odessa etc.
Es waren die Künste und Handwerke, Holzschnitzerei und Ikonenmalerei, die den
unvergänglichen Ruhm Trjavnas begründeten und zu einem seit zwei Jahrhunderten
bedeutenden Lebensunterhalt für die dortige Bevölkerung wurden.Zwei
grundlegende Faktoren haben den Beginn und Fortschritt dieser Handwerke
hervorgerufen. Erstens ist es die atemberaubende Landschaft, die schier
unerschöpflichen Waldbestände und das intellektuelle Interesse der Menschen
in dieser Region. Zum zweiten ist es die Nähe zur alten bulgarischen Hauptstadt
Veliko Turnovo, die Traditionen der Turnovo-Kunstschule und die zahlreichen
Flüchtlinge, die aus der verwüsteten Hauptstadt nach Trjavna geflohen waren.
Unter der Voraussetzung der Qualität und Quantität erreichten die
Kunstwerke der Trjavnaer Meister solch ein hohes Niveau, daß es gerechtfertigt
war, von einer typischen, unabhängigen Kunstschule zu sprechen. Neben den
Renaissanceschulen Bulgariens war es die älteste und angesehenste der Welt.
Eifrige Baumeister kamen aus Trjavna und den umliegenden Dörfern. Von ihnen
erbaute Häuser, Kirchen, Schulen, Brücken und Springbrunnen waren nicht nur
nah und fern in Bulgarien verstreut, sondern auch in Wallachia, Serbien,
Persien und der Türkei.
Die Namen der Baumeister Dimiter Sergjev, Gencho Kunev, Gencho Novakor, Slav Tsanev und Rali Tsanev erinnern denkwürdig an die unnachahmliche, künstlerische und schöpferische Qualität ihrer Bauten. Einige von ihnen bilden komplette Freiluftmuseen, wie die Dörfer Boschentsi und Zheravna.
Sehr oft waren Baumeister ebenfalls hervorragende Holzschnitzer. Einige mit äußerstem Respekt behandelte waren unter anderem Dimiter Oshanetsa, Ivan Bouchoukovetsa, Vitan Jr. und sein Sohn, Priester Koyu Vitanov, Dimiter Doikovcheto, Grencho Marangozov, etc. Mit ihren geschickten Händen verwandelten sie Holz in gewundene Weinranken, Rosen, Sonnenblumen und zwitschernde Vögel.
Gleichzusetzen war die Handwerkskunst der Ikonenmaler.
Die Vitanovs, Zaharievs, Minevs, Minchevs , Venkovs und Priester
Dimiter Kunchev malten tausende Ikonen, die in rund 500 Orte Bulgariens
reisten. Streng oder lächelnd, nachdenklich oder fröhlich - durch die Jahre
hindurch vermittelten die Ikonen Trjavnas den Geist der Zeit, in der sie
gestaltet wurden.
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In Trjavna gab es den einzigen gepflasterten Platz der Renaissance, welcher
nach Kapitän Dyado Nicola benannt wurde.
Der Glockenturm wurde 1844 gleichzeitig mit der Bogenbrücke
(1844 - 1845) von Dimiter Sergyuv erbaut. Diese beiden Bauwerke wurden zu
Wahrzeichen der Stadt.
Das älteste
Bauwerk des Platzes ist die St. Erzengel Michael Kirche, die ein nationales
und kulturelles Denkmal ist. Nachdem sie 1798 einige Kurtshalii
(türkische Söldner) niederbrannten, wurde sie 1819 wieder aufgebaut. Die
wundervollen holzgeschnitzten Ikonen waren die Handarbeit der Meisterschnitzer
Trjavnas. Der Thron des Bischofs wurde von Priester Koyu Vitanov geformt und
ist ein überzeugendes Beispiel der Trjavnaschen Holzschnitzschule. Die Kirche
ist im Besitz des Zaren-Kruzifix, einer Reliquie, die von Generation zu
Generation weitergegeben wurde. Es ist aus Buchsbaumholz gefertigt, verziert
mit 12 komplizierten Schnitzereien, die Themen des Evangelium darstellen.